Selma Anspach konnte mit ihren drei erwachsenen Kindern Deutschland noch Richtung Amerika verlassen. Helmut und Kurt kamen 1937 in den USA an, ihre Mutter und die kleine Schwester Lore sind nach der Arisierung ihres Kaufhauses am Marktplatz 1936 aus Schorndorf weggezogen. Als einzige jüdische Familie der Stadt und jetzt ohne Einkommen stand die Familie zu sehr unter Beobachtung.
Die Mutter zog nach Stuttgart, Lore ging zur Ausbildung nach Berlin. Beide sind mit einem der letzten Schiffe aus Deutschland im Sommer 1938 in die USA emigriert. Das war nur möglich, weil ein junger Verwandter in den USA für die Familie bürgte und die finanziellen Sicherheiten bereitstellte.
Das Kaufhaus der Familie Anspach ist eine Station auf der Guidetour durch Schorndorf. Durch den gewonnenen FAZ Wettbewerb hat sich die Möglichkeit ergeben, mit der Familie in Kontakt zu treten, per Mail und im Mai per Zoom.
Wer ist diese Familie, wie gehen sie mit ihrer Schorndorfer Familiengeschichte um? Warum wollen sie überhaupt mit uns reden? Das fragten sich die acht Schüler*innen. Und die Familie Anspach wollte wissen, wie man heute mit der NS-Vergangenheit umging, was Schüler*innen in Deutschland über den Holocaust lernten, wer sie Gruppe junger Menschen sei, die das Thema in der Stadt ihrer Eltern und Großeltern wieder aufrollen.
All das auf Englisch – das Gespräch war spannend und fordernd. Dann zeigte Kenneth Anspach ein Ausschnitt eines von ihm gefilmten Interviews, in dem sein Vater über seine Jugend in Schorndorf erzählte. Die Zeit verging wie im Flug – vieles blieb ungefragt. Die Gespräche werden fortgesetzt, nächstes Schuljahr.
Das Ergebnis: eine Brücke wird gebaut, zwischen Zeiten, Geschichte und Ländern, zwischen Religionen und Zugehörigkeiten, über die man mit Verantwortung gehen kann – die Guides möchten dabei möglichst viele mitnehmen. Auch auf ihrer Schorndorftour, die im kommenden Schuljahr von der jetzigen WGiE übernommen wird.